Mittwoch, 22. Juni 2016

Arctic Circle

völlig unspektakulär überschreite ich heute den Polarkreis. Die Position ist nicht mal mit einem Hinweisschild markiert. Eine Handy-App zeigt mir meine genaue Position auf 66° 33' 55''








Seit Inari war ich nun weitere 500km durch Finnland unterwegs. Auf den Straßen mit ein- und zweistelligen Nummern ist relativ viel Verkehr, der oft schnell und dicht an einem vorbei rast.







Die 3-stelligen Straßen dagegen sind sehr ruhig, dafür mit mehr Höhenmetern. Oft geht es kilometerweit gerade aus und dabei mehrmals auf und ab. 








 

Das Wetter war in den letzten Tagen sehr warm und teilweise auch ohne Wind wodurch die Seen spiegelglatt waren. 
Rentiere auf der Straße sind mittlerweile keine Besonderheit mehr. Besonders bei warmen Wetter halten sie sich gern auf der Straße auf, da hier weniger Moskitos sind als im Wald. Aber Kühe nördlich des Polarkreises hatte ich nicht erwartet. Überhaupt ist es hier grün und bunt als wäre man im Allgäu, besonders wenn man dann noch den Geruch von Kuhställen in der Nase hat.

 

 


Freitag, 17. Juni 2016

Hallo Finnland

in Kirkenes wollte ich meinen ersten Ruhetag einlegen. Der Campingplatz liegt direkt an der stark befahrenen E6 und es ist unangenehm laut. Kirkenes bietet auch nicht unbedingt sehenswerte Highlights und mein Lebensmittelvorrat war noch groß genug für weitere Tage, sodaß ich am nächsten Tag direkt Richtung Süden gestartet bin. Zunächst die 40km auf der E6 zurück nach Neiden und von dort dann zur finnischen Grenze. 
Der Eingang in die EU ist völlig unbemannt, nur ein paar Kameras halten dort Wache.

Finnland empfängt mich mit freundlichem Wetter. Im Vergleich zu Norwegen habe ich nun erstmal ebenes Gelände. Der Rückenwind läßt meine gute Laune nach oben schnellen. In Näätämön, kurz hinter der Grenze, befindet sich der letzte Supermarkt für die nächsten 150km. Ich fülle meinen Vorrat auf und fahre bis zum Campingplatz Sevettijärvi.
Hier genieße ich die finnische Sauna und das erste Bier seit Deutschland (Dose 4,50€).
Entlang der Strecke , die durch endlose Wälder führt, reiht sich ein See an den anderen. Viel Wasser und warmes Wetter, der ideale Nährboden für die berüchtigten Mücken.  Am besten nicht anhalten, nur dann bleibt man von ihnen verschont.


 

 


 

Bevor ich auf die E75 stoße, sehe ich meine ersten Elche. Als ich mich annähere sind die beiden allerdings schnell wieder im Wald verschwunden. Im Sami-Museum in Inari, bekomme ich Rentiere endlich mal nah vor die Linse.


Mittwoch, 15. Juni 2016

Kirkenes

Auf der E6, zwischen Tana bru und Kirkenes geht es durch eine grün bewachsene Landschaft,die Berge bleiben im Hintergrund. 

Die stark befahrene Strasse schlängelt sich oft an der Küste entlang. Es geht aber immer wieder auf und ab und so hat man auf den 140 km trotzdem 1500 hm zu bewältigen. Am ersten Tag läuft es gut bei mir. Teilweise mit Rückenwind schaffe ich 95km und zelte in einem Wäldchen kurz vor Neiden. 

 


In Neiden ist der Abzweig Richtung Süden zur finnischen Grenze. Ich mache aber vorher noch den Abstecher nach Kirkenes um auch am Startpunkt des Iron Curtain Trails zu starten.

Ich bin schon früh am Campingplatz und habe heute mal Zeit zum Wäsche waschen. 


Abends fahre ich ins Zentrum von Kirkenes. Die untergehende Sonne beleuchtet eindrucksvoll die Beringsee, den Startpunkt einer weiteren Etappe auf meiner Tour-2016.




Sonntag, 12. Juni 2016

Finnmark

Ich könnte jetzt wieder etwas über Schneefall, Null Grad und 40km/h Gegenwind erzählen, aber das ist ja PillePalle. Wer hier hoch in den Norden kommt, muss einfach damit rechnen, dass auch mal ein Lüftlein weht. 
Die vielen Schneereste zeigen, dass der Winter hier noch nicht wirklich vorüber ist. Die beiden Hochplateaus die ich überquere sind sehr karg. Außer Geröll, Schnee, Bäche und Seen gibt es hier nur die Straße und mich. 


Hin und wieder braust ein Auto vorbei, vielleicht 5 pro Stunde. Obwohl nur 300m hoch beträgt der Temperaturunterschied zur Küste bis zu 10°C. Am ersten Tag schaffe ich nur 30km, dann krieche ich, steifgefroren wie ein Eisklotz, in meinen Schlafsack. Das Zelt stelle ich in den Windschatten einer verlassenen Holzhütte.


Am zweiten Tag läßt der Wind nach und ich habe ihn auch mal von hinten. Das sind dann die Momente, die einen Radreisenden für manche Quälerei entschädigen. Du fährst, leicht abschüßig mit Rückenwind, durch eine atemberaubende Landschaft und es herrscht Stille - du hörst lediglich das leise surren deiner beiden Schwalbe unplattbar. 



 

Am Abend erreiche noch Ifjord und genieße wieder den Komfort eines Campingplatzes. Ich war davon ausgegangen, dass ich hier für die weitere Strecke Proviant einkaufen kann. Dem war aber nicht so. An dem vorerst letzten Supermarkt bin ich vor 20km vorbeigefahren. In 60km kommt eine Tankstelle, wo man zu überhöhten Preisen evtl. etwas kaufen kann. Dann erst wieder in Tana bru, das sind 90km von hier. Ich hätte Brot gebraucht für die Pausen zwischendurch. Dann gibt's eben die Wurst ohne Brot. Nudelsuppe hatte ich auch noch, also - noch kein Notstand.


Am nächsten Tag gehe ich die Etappe nach Tana bru an. Ich werde die 90km nicht an einem Tag bewältigen und unterwegs irgendwo zelten. Heute kann ich die Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft bei Sonnenschein genießen. Es geht wie erwartet immer wieder auf und ab. Nach 50km habe ich schon wieder 850hm, das reicht für einen Tag. 



Ich finde eine schöne Stelle zum Zelten und versuche am Abend noch ein Lagerfeuer zu entfachen. Es ist allerdings schwierig trockenes Holz zu finden. Das feuchte Holz qualmt mehr als es brennt und ich stinke später wie ein Räucherstäbchen. War keine gute Idee.

 

Am nächsten morgen wache ich auf bei ungewohnter Hitze im Zelt. Die Sonne knallt schon morgens um 6 Uhr und erhitzt das Zelt. Ich halte es doch noch ein Weilchen aus, bin aber dann schon kurz nach 9 Uhr "on the Road". Herrlich, bei schönem Wetter Rad zufahren.

Heute ist Sonntag und ich habe nur 40km zu fahren. Natürlich sind heute alle Geschäfte geschlossen und auch die Tankstelle, an der ich mein Frühstück geplant hatte, macht erst um 13 Uhr auf. In Tana bru gibt es alles von der Pizzeria bis zum Supermarkt und sogar einen Friseur. Nur leider heute alles geschlossen. Der Campingplatz "Familie Camping" liegt noch 4km nach Tana bru. Also wieder nichts mit einkaufen. Am Campingplatz bekomme ich dann aber ein Brot, das für die nächsten Tage reicht.

In Tana bru treffe ich Jürgen. Er kommt aus der Nähe von Berlin und ist allein mit dem Auto unterwegs. Er suchte wie ich eine Unterkunft und das Hotel/Camping Tana war ziemlich teuer. Ich habe ihm von diesem anderen Campingplatz erzählt, wo die Hütten nur die Hälfte kosten. Wir hatten später eine Hütte nebeneinander und haben ein wenig gequatscht. Als Abwechslung zu meinen Nudelgerichten hat er mir Kartoffelklösse und Rindsrouladen geschenkt. So hatte ich an diesem Sonntag ein kleines Festessen in einer gemütlichen Hütte auf einem angenehmen Campingplatz.




Mittwoch, 8. Juni 2016

Nordkapp

wer kommt nur auf die Idee mit dem Fahrrad an diesen abgelegenen Ort zu fahren.
Ich habe sogar Leute getroffen, die mit riesigem Rucksack zu Fuß hier her unterwegs waren.

Die meisten kommen allerdings mit dem Bus oder Wohnmobil und davon gibt es jede Menge.





 

 

Am Montag 05.06. bin ich in Honningsvag auf der Nordkapp Insel Magerøya angekommen. Die bisherigen Etappen seit Alta waren nicht wirklich schwer zu fahren, 500 hm pro Tag ist auch mit viel Gepäck machbar. Zu schaffen macht mir eher das Wetter. Nicht mehr als 5°C und eisiger Nordwind, der immer wieder Regen- und Schneeschauer bringt, drücken etwas den Spaßfaktor. 

Wenn die Sonne es aber hin- und wieder schafft durch die Wolken zu blicken, erstrahlt die faszinierende Landschaft oft in wunderbarem Licht.

Die Durchfahrt durch den Nordkapp Tunnel war einer der bisherigen Höhepunkte. 7km Länge, über 200m unter dem Meeresspiegel und 9% Steigung waren eine Herausforderung und ein Erlebnis.

Wie geplant habe ich mir eine Hütte auf einem Campingplatz 5km hinter Honningsvag gemietet und bin dann am nächsten Tag ausgeruht und mit kleinem Gepäck zum eigentlichen Nordkapp gefahren. Hin-und zurück 50km und 1200 hm bei Dauerregen, da muss man immer wieder den inneren Schweinehund besiegen. Am Ende zählt aber nur das Glücksgefühl es geschafft zu haben.

 

Nachdem ich jetzt ein wenig eingefahren bin, kann nun der offizielle Teil: Nordkap-Istanbul beginnen. Nächster Meilenstein ist Kirkenes, dort beginnt der Iron Curtain Trail.

Jetzt erstmal ein wenig Luxus. Über den Fjord nach Kjöllefjord geht's mit dem Postschiff der Finnmarken. Hier gibt's auch endlich mal ein Freibad.



Freitag, 3. Juni 2016

Hallo Lappland

Norwegen zeigt sich mir von seiner besten Seite. Auf dem Weg nach Hammerfest erlebe ich bei schönstem Wetter eine Traumlandschaft. Genau so, wie man sich Norwegen vorstellt.

Hammerfest liegt nicht auf dem Weg zum Nordkap. Diesen Abstecher, in die nördlichste Stadt der Welt, mache ich aus persönlichen Gründen.



Hier in Lappland gibt es Rentiere wie Schafe in Ostfriesland.

Ich glaube, ich mag Norwegen...









 
Ein Wetterumschwung in der Nacht, der sich bereits durch sinkende Temperaturen angekündigt hatte, zeigt mir nun die andere Seite Lapplands mit seinem polarem Wetter auch jetzt im Juni. Die Brücke über den Repparfjord bei Kvalsund, die ich bei der Hinfahrt noch fotografierend mit einem Lächeln überschritten hatte, erweist sich bei der Rückfahrt als riskantes Manöver. Bei einem Seitenwind von 35km/h und noch stärkeren Böen, habe ich auf der Brücke eine Schräglage wie in einer Steilkurve.

Am Ende reist es mir die Regenhülle vom Rucksack, die ich aber gerade noch einfangen kann bevor sie über die Brüstung verschwindet. Starker Nordwind, Regen und 3°C ... ich mag dieses Norwegen

Mittwoch, 1. Juni 2016

Let's Go ...


Ankunft in Alta gegen 23 Uhr. Die Sonne verschwindet gerade hinter den Bergen,
aber es bleibt die ganze Nacht taghell.
Ich bin gespannt ob mein Rad den Flug schadlos überstanden hat und mein Gepäck vollständig ankommt. In Oslo musste ich alles durch den Zoll schleppen und erneut, zum Weiterflug, beim Sperrgut abgeben.

Alles gut - Fahrrad und Gepäck sind unversehrt. Ich packe um und fahre zu einem Campingplatz am Stadtrand von Alta. Der Platz scheint schon länger geschlossen. Ich beschließe weiterzufahren bis ich ein geeignetes Plätzchen für mein Zelt finde und zelte nach ein paar km ein einem Wäldchen direkt am Strand.

Die Tiefsttemperatur in der Nacht betrug 8°C, heute am Tag ist es durch den kalten Wind gefühlt noch kälter.
Unterwegs treffe ich Toralf aus Leipzig, der ebenfalls das Nordkap als Ziel hat. Wir fahren ein Stück zusammen und zelten am Abend gemeinsam an einem Fluß.